Ateliertage Aadorf Juni 2015
Der Landbote 23. Juni 2015
Ein interplanetarer Ausflug nach Aadorf
von Gabriele Spiller


Wenn eine Soundforscherin und bildende Künstlerin zum Tag der offenen Tür lädt,
sollte man es sich nicht entgehen lassen. Bei Sibylla Giger gibt es ungewohnte Klänge zu entdecken.



Sibylla Giger blickt auf «1000 Köpfe und kein Körper».
Bei ihr dürfen Gedanken auf Reisen gehen. Bild: Heinz Diener



Die Töne sind subtil und sphärisch und lassen viel Raum für die eigene Interpretation. «Man meint, im Weltall herrsche grosse Stille», erklärt Sibylla Giger in ihrem Atelier, «es ist jedoch möglich, die komplexen Interaktionen elektromagnetisch geladener Teilchen mit hochsensiblen Plasmawellenantennen zu empfangen und sie dann in für uns Menschen hörbare Frequenzen umzuwandeln.» Im aktuellen Projekt «Raumfahrt» hat sie genau das gemacht: «die Vibrationen der Magnetosphäre und der Ionosphäre eines Himmelskörpers» in Klänge umgewandelt. Ihre Quelle sind Aufnahmen von Nasa-Raumfähren. Heraus kommt dabei der Sound der Venus oder des Mars.

Die geborene Aadorferin absolvierte eine klassische Musikausbildung und entdeckte die experimentelle Musik 1992 bei einem Workshop auf Elba. Seitdem kehrt sie immer wieder dorthin zurück. Ihre Affinität zu Bach und Mathematik beeinflusse auch ihre Arbeit – man vermutet es, wenn man die repetitiven Zeichnungen und winzigen Bleistiftfigürchen erfasst. In verschiedenen Medien probiert sich die Künstlerin immer wieder aus und schafft Werke von zeitloser Schönheit und unterbewusstem Zugang.


Sozialkritische Arbeiten

In «1000 Masken – 1000 Stimmen» widmet sich Sibylla Giger der globalen Vernetzung, dem Kommunikationszwang, dem Immer-erreichbar-Sein. Zusammen mit dem von ihr geschaffenen «Laber-Sound» zu den kleinen skulpturalen Masken entsteht ein Gesamtkunstwerk. Auch aus Kohlezeichnungen leitet die 55-Jährige Klänge ab. So wie sie durch Raum und Zeit gleitet, scheint sie ein wunderbares Transportmittel zu besitzen. Es gebe Momente mit 100 Parallelideen. «Sind sie ein Nachhall des Universums?», fragt sie . «1000 Köpfe und kein Körper» versteht sie als Zeichen der Trennung von Verstand und Körperlichkeit, von Mensch und Natur. Dabei wird ihre intensive Beschäftigung mit Meditation deutlich. In ihrer ruhigen und überlegten Art strahlt sie eine starke Reflektiertheit aus, die auch auf ihre Arbeiten abfärbt. «Meine visuellen Sachen sind nicht modern», gibt sie zu, «eher zeitlos, als ob sie irgendjemand ausgebuddelt hätte.» Die Sounds verortet sie im Hier und Jetzt, das Visuelle hingegen in einer kollektiven Erfahrung.

Beachtung erhielt sie 2011 mit den «City Portraits», Kompositionen, die akustische Visitenkarten von neun internationalen Städten darstellen. Auch Zürich gehörte dazu. «Unterdessen finde ich Zürich hektisch, eng, düster», meint sie, «man kann das jedoch nicht auf die einzelnen Quartiere, zum Beispiel Wiedikon, wo ich wohne, beziehen.»

Seit 1992 macht sie gemeinsame Projekte mit Marianne Kipp in Hamburg. Hier treffen minimalistische Patterns auf eine Synthese von Akustik und Elektronik. Das Ergebnis ist beispielsweise die assoziative «Reisemusik» durch die Kontinente.


Akustische Visitenkarten

Es stellt sich die Frage, für wie viele Menschen diese abstrakten Kunstformen interessant sind. «In den 1980er-Jahren konnte ich von den Verkäufen von Bildern und Objekten fast leben», erinnert sie sich. Heute gibt es CD-Verkäufe an Konzerten und künstlerische Positionen, die an Ausstellungen ihren Absatz finden. Giger beschäftigt sich auch mit Vertonungen für Filme oder schafft Soundtracks für andere Künstler, wie die Videos von Christine Hunold.

Gedanklich beschäftigt sich die Klangkünstlerin zurzeit mit Mediationsmusik. «Sounds, die beruhigend, aber auch interessant klingen. Eine Alternative zu Panflöte und quietschenden Delfinen.» Vielleicht kommt ihr auch dabei der Zufall zugute, wie bei den faszinierenden Planetenfotos, die sie am Tag der offenen Tür zeigen wird.

 

CLUB extended mind
Ausstellung im les routiers Zürich Januar 2010

Künstlerische Empirie im Kollektiv
von Silvia Lorenz

„Das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile“ – dieser, dem ersten grossen Systematiker Aristoteles zugeschriebene Ausspruch, könnte auch als programmatisches Credo der Gruppe CLUB stehen.

CLUB ist ein offenes Gefäss: wandel- und adaptierbar für den prozessorientierten Austausch zwischen Künstlerinnen. Seit rund acht Jahren treffen sich mal regelmässig, mal sporadisch, mal mehr, mal weniger Künstlerinnen zum Werkgespräch in ihren Ateliers. Neue Arbeiten werden dann erstmals in dieser kritischen Peergroup präsentiert, Konzepte und Ideen, aber auch gemeinsame Ausstellungsbesuche debattiert. In loser Folge wurde auch ausgestellt: als Gruppenausstellung individueller Arbeiten oder als Zusammenarbeit einiger Mitglieder.

Das langjährig erprobte Arbeitsinstrument des Austausches im CLUB ist den Mitgliedern für die Reflexion ihres eigenen Schaffens und zur Definition ihres Selbstverständnisses unverzichtbar geworden. Das freundschaftliche Vertrauensverhältnis, das die Künstlerinnen verbindet, ist das Fundament für konstruktive Kritik und der Humus für fruchtbaren Austausch; ohne dieses Vertrauen wäre die selbst auferlegte und oft sehr aufreibende Konfrontation nicht denkbar.

Nun haben die acht Zürcher Künstlerinnen Sandra Capaul, Flavia Caviezel, Sibylla Giger, Christiane Hummel, Christine Hunold, Florence Iff, Georgette Maag und Judit Villiger die diskursive Reflexion individueller Arbeiten in diskursive gemeinschaftliche Kreation überführt. Am Anfang stand die Idee einer kooperativen Ausstellung, welche die prozesshafte Denk- und Arbeitsweise der Gruppe aufzeigen sollte. Trotz eingespielter gemeinsamer Sprache, mussten für die gemeinschaftliche Produktion neue Arbeitsmethoden gefunden werden.

Kognitive Techniken wie Mindmapping und Brainstorming wurden für die Künstlerinnen wichtige Bezugspunkte bei Themenfindung und Bildauswahl. Die sehr eigenwillige und spielerische Aneignung dieser Techniken zitiert indirekt auch die von den Surrealisten beliebten Gesellschaftsspiele „Ecriture automatique“ und „Cadavre exquis“. Beide Methoden wurden entwickelt, um bei kreativen Prozessen das kritische Denken auszuschalten und dem Zufall und der metaphorischen Fähigkeit des Geistes Raum zu geben.

Expliziter - und mit „extended mind“ auch im Ausstellungstitel zitiert - ist die Auseinandersetzung mit aktuellen Theorien der Neurowissenschaften und Philosophie, welche sich mit kognitiven Prozessenund Zuständen, die sich über die Körpergrenzen des Individuums hinaus in die Welt erstrecken, befassen. Schwarmtheorie, Cluster, kollektive Intelligenz und erweiterter Geist – Schlagworte, die für diese Ausstellung formal und inhaltlich wichtig wurden.

Im Erdgeschoss des Ausstellungsraumes „Les Routiers“ ist nun das Ergebnis dieses kollektiven Prozesses präsentiert: Der Begriff Cluster ist sprichwörtlich zur Bild-Wolke geworden: als transparenter Horizontfries in den Schaufenstern und als 8m langer Bilderzyklus im Innenraum. Die Fotos zu diesen beiden Werken stammen aus dem persönlichen Fundus der acht Künstlerinnen; jede hat zum Ganzen beigesteuert, aber aus dem Ganzen auch wieder ausgewählt und verworfen. Thematisch umschreibt dieses Panoptikum die conditio humana im Hier und Jetzt: Der Mensch in seinem natürlichen und kultivierten Umfeld, innere und äussere, materielle und immaterielle Räume – Denkräume. Erweiterte Denkräume – so könnte der theoretische Begriff „extended mind“ auch übersetzt werden.

Zwei Monitore zeigen das durch Geisterhand erfolgende Durchblättern von 8 Skizzenbüchern. Diese waren im Vorlauf der Ausstellung ein wichtiges Arbeitsinstrument des Kollektivs und wurden in Cadavre exquis-Manier herumgereicht:  der Anfangseintrag eines jeden Mitglieds wurde von den anderen weitergeführt, ergänzt, verworfen. Auch hier ein Gedanken- und Assoziationscluster, der durch die gewählte mediale Umsetzung dem Betrachter auf sehr nachvollziehbare Weise das Entstehen der kollektiven Assoziationsketten aufzeigt.

Die homogene Bildsprache in den ausgestellten Arbeiten fusst in den individuellen Themen und verwebt diese zu einem Bilderteppich, der sich entlang der gemeinsamen künstlerischen Schnittstellen der Künstlerinnen bewegt und so ein einheitliches Ganzes schafft. Individuelles wird zu Kollektivem verwoben; die für eine Künstlerexistenz oft eminent wichtige Autorschaft wird für die gemeinsame Autorinnenschaft aufgegeben.

Die ausgemachten „Spielregeln“ - Kontrollabgabe des Eigenen und Befugnis zur Redaktion des Fremden - sind Wagnis und Chance zugleich. Der Chance für neue Erkenntnisse durch das Wagnis der Selbstaufgabe messen die Künstlerinnen wohl die weit grössere Bedeutung zu. Was könnte dieses Wagnis sonst rechtfertigen? Vielleicht ist der Ausstellungstitel „Extended Mind“ auch so zu lesen: Selbstaufgabe für die Rückkoppelung an ein grösseres Ganzes. Ganz systematisch im Sinne Aristoteles’.


 
St.Galler Tagblatt 13. Mai 1998
Konzept-Kunst zwischen dem Hör- und Sichtbaren
VON DANIELA HERMANN

Optische Eindrücke in Musik umsetzen, das Hörbare ins Sichtbare umzuwandeln ist das Ziel der seit 1992 zusammenarbeitenden Künstlerinnen Marianne Kipp und Sibylla Giger. In der "Splügen-Ecke" gaben sie einen Einblick in ihr Werk: Gelb, erdfarbig, leicht-rissig sind die Bilder, die dem Besucher beim Betreten des Raumes auffallen: Wärme strahlen sie aus. Ihre Titel verraten es: "Afrika" (Marianne Kipp) und "Wärme" (Sibylla Giger). Abstrakt drücken sich beide Künstlerinnen aus. Marianne Kipps Arbeiten im Kleinformat tragen den Gesamttitel "Reisebilder" und stehen in Verbindung mit der neuerschienenen CD "Reisemusik", die kürzlich einen Preis der Stadt Hamburg bekommen hat.

Ton und Bild als roter Faden

"Die Verbindung von Ton und Bild bildet den roten Faden in unserem Schaffen", sagt Marianne Kipp, die abwechselnd in Hamburg und auf der Insel Elba lebt und arbeitet. Zusammen mit Si-bylla Giger gründete sie eine Werkstatt für improvisierte Musik in Marina di Campo auf Elba. "Ein Wechselspiel" nennt die St.Gallerin Sibylla Giger das Verbinden von optischen und musikalischen Impressionen mit Bildern und Objekten. In ihren früheren Ausstellungen in St.Gallen zeigte sie Metallarbeiten, an welche diesmal noch die Klangwand III sowie die freistehenden "Tafeln" erinnern. . In einer grossen Arbeit hat die Künstlerin "Préludon" von Sofia Gubaidulina sichtbar gemacht: winzige Bleistiftzeichnungen, die ineinander, übereinander, aufeinander "fliessen".
"Wie die Streicherparts in ihrem Werk", schwärmt Sibylla Giger.

Neue Ideen

Seit einem Jahr entwickeln die beiden experimentierfreudigen Frauen neue Hör- und Bildkonzepte: Als Instrumente werden Keyboard (Sibylla Giger) und Cello, Bass, Percussion (Marianne Kipp) eingesetzt. Die Bereitschaft, etwas Neues zu hören, sich auf ein Abenteuer einzulassen, wird vom Zuhörer verlangt. Die Bilder bilden dabei den Raum (nicht den Rahmen). So entstehen neue Kommunikationsformen zwischen Künstler und Zuhörer.

    St.Galler Tagblatt 7. Mai 1998
Ereignisse in Ton und Bild

Die beiden Künstlerinnen Marianne Kipp und Sibylla Giger verbinden in ihrer Arbeit das Sichtbare mit dem Hörbaren. So laden die beiden denn auch am Samstag, 9. Mai um 19 Uhr zur Vernissage und um 20.30 Uhr zum Konzert in die Splügenecke ein: Dabei stellen sie ihre CD "Reisemusik" vor; welche kurz nach Erscheinen einen Kompositionspreis der Stadt Hamburg gewonnen hat.

Jede der beiden Künstlerinnen sammelt und ordnet Inspirationen in Bild und Objektform und stellt die entsprechenden Werke an den Beginn von Musik.

Komposition ist bei ihnen nicht Direktion von Tempo und Metren sondern vielmehr das Erkennen von Struktur im Alltag, im Chaos und nicht zuletzt in der Natur. Optische Impressionen übersetzen sie in musikalische Äusserungen.

Die beiden Frauen haben vor sechs Jahren auf der Insel Elba eine Werkstatt für improvisierte Musik gegründet.
    Il Tirreno 12 settembre 1997
Suoni e immagini nel centro "Signorini"

PORTOFERRAIO - Concerto domani (alle ore 21.30) al centro arti visive e figurative Telemaco Signorini. Lo terranno due artiste Sibylla Giger e Marianne Kipp di origine tedesca, note al pubblico elbano. L'appuntamento si preannuncia particolarmente interessante per il modo con il quale viene a presentarsi, grazie alla complementarietá dei suoni e delle immagini in un gioco scenico e coreografico sconociuto ai piú. Le tastiere, il violoncello, il basso, per percussioni trasformano il visibile in tempo udibile. "Il nostro comporre - sostiene Sibylla Giger - non e direzione di tempo, metri, durata, ma e completamente diverso e si identifca neI tradurre l`impressione ottica in espressione musicale risvegliando negli ascoltatori la voglia di sconosciuto".
    St.Galler Tagblatt 10. August 1993
Herisau: Bilder, Musik, Performance

Am Freitag, 13. August, findet im Kulturzentrum Altes Zeughaus in Herisau um 19.30 Uhr die Vernissage einer dreitägigen Ausstellung von Bildkompositionen und Klangobjekten der St.Gallerin Sibylla Giger sowie Bildern der Hamburgerin Marianne Kipp statt. Die Bildkompositionen von Sibylla Giger sind als Inspirationsquelle konzipiert und werden am selben Abend musikalisch umgesetzt von der Gruppe "XX Musik". Die Formation hat dank innovativem Umgang mit Konzeptimprovisation bereits verschiedentlich von sich reden gemacht und bietet dem offenen Ohr durch aussergewöhnliche Ideen und Besetzungen immer wieder neue Zugänge zu musikalischen Aspekten an. Den Medien Bild und Ton wird durch die Performerin Gabriele Forster die Bewegung hinzugesetzt, woraus sich eine vierte, immaterielle Ebene ergibt.
St.Galler Tagblatt 27. Juli 1996
Bild und Musik
VON DANIELA S. HERMAN

Sibylla Giger zeigt Metallobjekte in St.Gallen In den Räumen eines. Umbauobjektes an der Ilgenstrasse 27 in St.Gallen zeigte am Wochenende die St.Galler Künstlerin und Musikerin Sibylla Giger ihre neusten Werke. Die Ausstellung "Tafeln und Töne" ist ein bildnerischer Ausdruck ihres Wirkens als Musikerin.

Die holzgetäfelten dunklen Räume bilden einen wirkungsvollen Rahmen für die geritzten, geschweissten oder bemalten Metallobjekte, die alle in enger Verbindung mit den Klängen im Hintergrund stehen. Musik dient Sibylla Giger als Bildinspiration; die Bildkomposition als Musikinspiration: "Die Werke sind als Ausdruck meines Empfindens entstanden. "Wenn ich male, male ich Musik. Beim Malen entsteht dann wieder neue Musik", sagt die Künstlerin zu ihrem Schaffen. Sibylla Giger gehört zur Gruppe "XX Musik", deren Projekt "Keine Angst vor Tönen" auch bildnerische Auseinandersetzung mit dem musikalischen Konzept umfasst.

Somit bilden die Objekte, ob in Form von Röhren ("Erzählung in 14 Tönen auf drei Röhren") oder Wegweisern und Tafeln ("Lineare Notation", "Lebendiges Chaos") immer auch Klangwände und Klangröhren, die die Urform des Geräusches sichtbar machen.

Sibylla Giger experimentiert gern: Freie Improvisationen, Videoexperimente, Workshops füllen ihr Arbeitsprogramm. Entstanden sind dabei harmonisch gestaltete Objekte in Schwarz, Gold, Silber und Rost; sie wirken genauso stark wie die anlässlich ihrer Ausstellung zum Thema "Ich gehe zum Stein bis er bricht" (1989) gezeigten Werke. Einige dieser assoziativen Bilder fanden Platz am Rande der Ausstellung "Tafeln und Töne".
Die Ostschweiz 27. Juli 1996
Metallobjekte von Sibylla Giger

Nachdem die St.Galler Künstlerin und Musikerin Sibylla Giger ihre Metallobjekte bereits im Ausland in AusstelIungen und Konzerten präsentiert hat, sind sie am Wochenende nun in St.Gallen zu sehen. Die "Tafeln und Töne" werden in Privaträumen an der Ilgenstrasse 27 gezeigt.
   

Die Ostschweiz 13. Juli 1993
St.Gallerinnen zu Gast am Musikfestival "Suoni e Sound" in Elba

Im Rahmen des Festivals "Suoni e Sound", einem Forum für Neue Musik und Bildende Kunst, das zum Sommerbeginn in Portoferraio, Insel Elba, stattfand, trat auch die Gruppe XX Musik auf: Regula Wagner und Sibylla Giger, beide aus St.Gallen, sowie Charlotte Weniger (Düsseldorf) und Marianne Kipp (Hamburg). Im Palazzo Delaugier, in dem sich das Kunstmuseum der Insel Elba befindet, wurden ausserdem Bildkompositionen von Sibylla Giger ausgestellt. Die Bilder wurden durch frei improvisierte Musik inspiriert und dienten wiederum als Vorlagen für Stücke der Gruppe XX Musik. Für die St.Gallerinnen und ihre deutschen Kolleginnen bedeutete die Einladung nach Portoferraio eine grosse Chance, zumal es nicht viele Foren für freie Musik, wo Austausch und neue Inspiration möglich sind, gibt.


 

Appenzeller Zeitung 30. August 1990
Vielgestaltiges zum Weltbefinden
VON REGULA LENDENMANN Ausstellungen in "Eigenregie" führen oft ein Mauerblümchendasein, denn neben Bekannten und Verwandten zieht es selbst ein sonst vielpräsentes Kunstpublikum da höchst selten hin. An Platz jedenfalls, wie dies eine erste Bildbegegnung "zu viel, zu eng" beim Treppenaufstieg illustriert, konnte es im Herisauer Alten Zeughaus nicht fehlen. "Fast zu gross für meine Sachen", bestätigte auch Sibylla Giger und stellt nun allein, nur auf einem der vier Stockwerke, aus.

In Serien von dicht aneinandergehängten Kleinformatbildchen, zwei Objekten sowie verschiedenen Mischtechniken als Einzelwerke drückt die junge St.Gallerin persönliche Befindlichkeiten, die Betroffenheit am Zeit- oder Weltgeschehen, aus. Ihren thematischen Halt fand sie, wie bereits vor einem Jahr in St Gallen ausgestellt durch die innere wie äussere Strukturenvielfalt im Stein. Nun brechen diese Zeichenträger von menschlicher Verhärtung, Beharrlichkeit der Natur; oder emotionalem Widerstand auf: SibyIla Giger lässt Ihren "Energien" freien Lauf und alltägliches Erleben, durchzogen vom breitflächig esoterischen Erfahrungsgut, spiegelt sich darin wieder.

Alles in Ordnung?

Was bei der Stein-Serie in zeichnerischer Schlichtheit geschlossen durch die Auflösung von Schwere wirkte, hat sich nun, gestalterisch unbekümmert in vorwie-gend figürlichen Formgerüsten verflüchtigt. Sie male sich die Unruhe von der Seele, erklärt Sibylla Giger, was beim Zwischenmenschlichen beginnt und bis zum verzierten "Weltschutzpfahl" mit eingeschnitzten Runenzeichen reicht. Die rückbesinnende Interpretation altgermanischer Kulte also: ob nun wirklich persönliche Hoffnung oder Ironie gegenüber dem allgegenwärtigen Flüchten vor der aufreibenderen Auseinandersetzung mit Zukunftsängsten, wird nicht ganz klar.

Das menschliche Leiden an Körper, Seele und Geist drückt sich vehementer noch in einer Gipsbüste aus: Natürliche Materialien deuten weich die Sinnesorgane an, während scharfe Schiefersplitter Haarstoppeln ähnlich den Kopf oder die Vorherrschaft des Verstandes durchstechen. - "Alles I.O.?" fragt denn auch ein dreiteiliges Werk, wo im Zentrum Strichfigürchen vor tiefem Abgrund gestikulieren und ein Spiralmuster sich gegenläufig zum mutierten Gen- oder Fischlarvengebilde auf der anderen Seite dreht.

Breitgefächertes Themenrepertoire

Flecken- oder schattenhaft aufgelöste Gestalten malen Beziehungsschwierigkeiten aus. Der licht umrissene "Blick nach innen", formale Artikulationen oder das mehr ins Universelle weisende Harmonie-Bedürfnis fächern eine ziemlich wechselmütige Bildsprache auf: Jugendlich "flippig" bis poppig die kleinen, dickgerahmten "Weibsbilder", als Humoreske zur entarteten, oft frauenverachtenden Musikkultur vielleicht. Und ein hohes, blauumrandet gelbes "i wie Idee", bringt schliesslich das Auge auf den roten Punkt. - Eine Ausstellung also, weder allzu kopflastig, noch überaus kunstvoll; wohl aber vom Psychologischen her; im Zusammenwirken von allgemeiner Lebensangst und alchimistischen Tendenzen als Hoffnungsträger interessant.


  Appenzeller Zeitung 15. August 1989
Steine als Assoziationsbilder
VON REGULA LENDENMANN

"ich geh zum stein bis er bricht", überschreibt Sibylla Giger ihre Ausstellung, di bis zum 26. August in der Passepartout-Galerie St.Gallen zu betrachten ist. Weil sie gerade im Beruf als Dolmetscherin mehr Sprachlosigkeit denn echte Verständigung fand, begann die junge St.Gallerin Sibylla Giger autodidaktisch zu malen. Inhaltlicher Bezug wie Ausgangspunkt bildet darin der Stein als Ausdrucksträger von elementarem Naturerlebnis und persönlichem Befinden: Der Stein, Urmaterial der Erde, birgt viele Geheimnisse. Zur Ausstellungseröffnung las die St.Galler Lyrikerin Barbara Breitenmoser aus ihrer noch unveröffentlichten Textsammlung "Diagonalzug der Zeit" und griff damit sprachlich Teilaspekte der präsentierten Bilder auf: das Überdauernde, Zeitlose des Steines, das Aufbrechen und Zerbröckeln der Ewigkeit in Augenblicke, die Spannkraft zwischen Verhärtung und lebendigem Widerstand.

Innere Steine aufbrechen

Sibylla Giger möchte sich nicht auf die vielfältige Darstellung äusserer Gegebenheiten von Bergen, Felsen, Kristallen, zerklüftetem Gestein bis hin zum winzigen Kiesel beschränken. Sie benützt diese vielmehr als geistiges Werkzeug, als Gesprächspartner zur freien Umsetzung in die Raumzonen von monumentaler Wirkung und persönlicher Wirklichkeit. Das Aufbrechen in die eigene Versteigerung. Die elementaren, geometrischen Formen sind weniger der rationalen, konstruktiven Kunst zuzuordnen, sondern weisen mehr auf eine expressive Inhaltsmalerei: Die Zerrissenheit des Menschen zwischen dem Drang nach Klarheit mit Zwängen und starren Formen gegen den emotionalen Widerstand, der nach Veränderung und somit Leben sucht. Auch farblich zeichnen sich Kontraste ab, die vom Schwarzweiss; zuweilen mit feinen Buntakzenten, bis zu ungewohnter Konstellation in leuchtenden Flächen oder zeichenhaft rhythmischer Strukturierung reichen, während die Komposition wiederum den Zusammenhalt der oft freischwebenden Trümmer und mineral- oder kristallfarbenen Splitter bewirkt.

Vielfältige Ausdrucksformen

Sibylla Gigers Formensprache bewegt sich zwischen markant umrissener Zeichenhaftigkeit und gestisch eruptiver Abstraktion. Durch das Schablonenhafte, dis eigenwillige Stilisierung seelischer Zustände, schmelzen persönliche Ge-fühlswelt und allgemeingültige Erfahrungswerte zusammen. Mühelos wird die oft verschlüsselte Grundthematik des Steines ständig durch wechselseitige Beziehung erweitert, neu gewichtet und somit vertieft. Was die Künstlerin mit der Wandserie in unzähligen, kleinformatigen Werken anschaulich präsentiert. Von der Maserung des Steines ausgehend, gestalten hingetupfte oder lineare Strukturfelder den begrenzten Raum. Aussparung und Masse illustrieren beharrliche Stille oder Einsamkeit, während bedrohliche Keilränder und Kanten eher auf Ängste und Schmerz deuten. Der Drang, das Feste, Harte zu durchbrechen, zu durchlöchern, steht dem Auflegen von weicheren, feineren Zügen gegenüber. Die Versteinerung der Sprache wird zur Sprache, oder auch Schrift, mit Steinen, über oder auf Steine. Die Spannung und Vielfalt der Formen, Farben und Strukturierung von Natursteinen spiegelt sich in Thematik und Ausdruck der Bilder wider. Sibylla Giger wirft Steine ins Empfindungsgewässer und fährt den Kreisen nach...
  Annabelle Juli 1989
Bilder von vier Händen
VON LISELOTTE WILDI

Im Zürcher Frauenbuchladen an der Gerechtigkeitsgasse 6 sind bis zum 22. April Bilder von zwei Künstlerinnen zu sehen. Das Besondere daran: Die Frauen haben die Werke gemeinsam gestaltet. "Kompositionen für vier Hände" heisst denn auch die Ausstellung.

Raphaela Schwyter, 31, ist Schriftstellerin, und Sibylla Giger, 29, ist Kunstmalerin. Sie haben bis jetzt etwa dreissig Werke zusammen geschaffen. Die Ausstellung im Frauenbuchladen ist ihre dritte. Die dort gezeigten Bilder sind dem Thema "Frauen" gewidmet, sie wurden speziell für diesen Ausstellungsort geschaffen. Die acht meist grossformatigen Bilder sind in Mischtechnik gemalt, verwendet wurden Dispersion, Acryl und ab und zu Fellstücke oder Plastikfolieteilchen. In ihnen wurden Schrift und Malerei kombiniert, verbaler und optischer Eindruck ergänzen sich.

"Da stehen wir vor der leeren Leinwand und reden miteinander, was draufkommen soll", beschreibt Sibylla Giger den Prozess. Und gleich fügt sie hinzu: "Leicht ist ein gemeinsames Schaffen überhaupt nicht, im Gegenteil!" Es habe bei der Ausarbeitung manchmal Streit gegeben, es sei so eine Art Machtkampf entstanden. Schwierig, wenn man nicht mehr rein intuitiv drauflos werken kann, wenn man alles besprechen soll.

Gleichwohl haben sich beide in den Kopf gesetzt, auf diese Art kreativ zu sein. Einerseits finden sie es spannend, Form und Farbe, Worte und Inhaltliches zu mischen. Anderseits könne auch viel Einsamkeit überwunden werden. Warum sollen denn Künstlerinnen und Künstler immer allein im Atelier hocken? Versuchen wir's doch gemeinsam, haben sie sich gedacht. So sind Titel entstanden wie "Zeitungsfrau im Regen", "Hommage aux femmes oubliées" und "Wirft ihre Schatten wie sie will". Die Preise bewegen sich zwischen 700 und 1800 Franken. Den Erlös teilen sie hälftig.

Kennengelernt haben sich die beiden Frauen vor mehr als zwei Jahren. Sie hätten eine persönliche Beziehung gehabt, sich angenähert, wieder voneinander entfernt. Im Moment brauche jede Distanz, auch beruflich. Vielleicht wendet sich Raphaela Schwyter einem zweiten Buch zu. Ihr Erstling, "Venus oder Einzelhaft", ist 1987 in der edition sec 52 erschienen. Und Sibylla Giger will demnächst nach Berlin gehen, um an der Hochschule der Kunst ihre Maltechnik zu vervollkommnen.
  Regional Zeitung 25. März 1988
Wort und Bild als Einheit
hr.

"Schau mich an. Sprich zu mir ... " unter diesem vielversprechenden Thema zeigen in der Galerie "s'Büdeli" in Eschlikon zwei junge Frauen ihr Gemeinschaftswerk. Sibylla Giger, Malerin und Raphaela Schwyter, Schriftstellerin, ist es in dieser Ausstellung gelungen, Worte mit visuellen Eindrücken zu verbinden.

Aussergewöhnlich

Die Ausstellung im Büdeli ist interessant und aussergewöhnlich. Die Verschmelzung von Wort und Schrift, gepaart mit Fantasie, sprengt den Rahmen des Herkömmlichen und regt zum Denken an. Man/frau spürt im Hintergrund die Problematik und Spannung im Leben der zwei aussergewöhnlichen Frauen und ihre Suche nach schöpferischem Ausdruck, Liebe und Eigenständigkeit.

Feminin und leicht

Die junge Malerin Sibylla Giger stammt aus Aadorf und befasst sich seit langem mit den verschiedensten Techniken und Möglichkeiten der Malerei: Alle ihre Werke haben eines gemeinsam, wirken diese doch sehr fein und feministisch, auch dann, wenn das grafische Element stark zum Ausdruck kommt. Sibylla Giger wählt häufig zarteste Farben, sehr oft lichte Blautöne, aber auch Schwarz, dem die Härte in Verbindung mit anderen Farben genommen wird.

Wort als Ausdruck

Raphaela Schwyter, eine junge Zürcherin, hat sich die Sprache als Ausdrucksform gewählt. Im Büdeli liegen von ihr Werke auf, und vor kurzem sind Fragmente aus ihrem Buch "venus oder einzelhaft" in Zürich vorgelesen worden. Ihr sprachlicher Ausdruck ist sehr modern, betont weiblich und wiederspiegelt häufig zwischenmenschliche Situationen.

Mutiger Galerist

Seit bald einem Jahr arbeiten Sibylla Giger und Raphaela Schwyter zusammen. Ihre letzte Ausstellung im Dezember in St.Gallen hat starke Beachtung gefunden Ein Lob gebührt dem Galeristen Ruedi Minnig, dem es wieder einmal gelungen ist, etwas Aussergewöhnliches nach Eschlikon zu bringen. Es lohnt sich für jedermann/frau, sich das Gemeinschaftswerk der zwei jungen Frauen, das bis zum 3. April jedes Wochenende gezeigt wird, anzusehen.
    Thurgauer Zeitung 22. März 1988
Kunstwerke in Wort und Bild
rre.

"Bezeichnungen - Beschreibungen" zu so vielversprechenden Ausdrucksformen haben sich zwei Künstlerinnen zusammengetan: Sibylla Giger aus Aadorf und Raphaela Schwyter aus Zürich eröffneten am Freitag eine Ausstellung gemeinsamer Werke in der Galerie s'Büdeli in Eschlikon. Schon lange befasst sich Sibylla Giger mit der Malerei, erprobt verschiedene Techniken, findet Möglichkeiten des gestalterischen Ausdrucks. Raphaela Schwyter hat sich der sprachlichen Äusserung verschrieben.

Fluss von Farben und Worten

Faszinierend ist das Spiel mit Wort und Bild: Einander ergänzend oder wegstossend, lösen die Werke beim Betrachter eine prickelnde Spannung aus. Man möchte hinter das Spiel kommen, es durchschauen und vielleicht gar mitspielen. Der Fluss von Farben, Formen und Worten möchte mitreissen. Doch erstaunt bleibt man doch wieder daneben, schaut zu, möchte nicht weggespült werden von den eindringlichen Empfindungen. "Frei durch sich selbst" heisst eines der Werke. Und darin drückt sich die Eigenständigkeit der beiden Künstlerinnen aus: Sie bleiben ihrer persönlichen Ausdrucksform treu.

Gegen die Einsamkeit

Seit einem knappen Jahr arbeiten die beiden zusammen. "Künstler sind oft einsam. Sie arbeiten im stillen Kämmerlein für sich allein. Vor allem für Schreiberlinge trifft das im besonderen Masse zu", meint Raphaela, "unsere Zusammenarbeit war in erster Linie der Versuch eines Ausbruchs aus der Einsamkeit". Nicht immer einfach gestaltet sich diese Zusammenarbeit. Manchmal werde hart gekämpft. Die eigene Empfindung müsse so und nicht anders eingebracht werden können in der eigenen Ausdrucksform: Kompromisse können nicht gemacht werden, um sich selber treu zu bleiben. Manchmal sei es ein schmerzlicher, langwieriger Prozess, bis ein Werk die Form der Gemeinsamkeit gefunden habe. Dann wieder fliesse es fast von selbst. Ein ruhiges, harmonisches Werden bestimmt dann das künstlerische Gestalten. Werke, die zum Betrachter sprechen in den verschiedenen Ausdrucksformen von "Bezeichnen" und "Beschreiben", zwei eigenständige Frauen, die gemeinsam zu ihren Aussagen stehen. Eine homogene, Auge und Herz erfreuende Ausstellung ist nun das Resultat des Ringens und Suchens zweier Künstlerinnen
Thurgauer Volkszeitung 21. März 1988 und Wiler Tagblatt 21. März 1988
"Ein multimediales Werk - unser Traum"
VON KATRIN BREITENMOSER

ESCHILIKON - Raphaela Schwyter ist Schriftstellerin und Sibylla Giger Kunstmalerin, eine etwas eigenartige Komposition für das Schaffen von einheitlichen Werken - glaubt man! Die Vernissage am vergangenen Freitag in der Galerie "s'Büdeli" in Eschlikon zur Ausstellung der beiden Künstlerinnen bewies das Gegenteil: Bild und Text sind eins, ergänzen sich oder wägen sich gegenseitig ab; der Text als Stütze oder als Anregung und das Bild als eigenständige Darstellung, die vom Betrachter viel Auffassungs- und Einfühlungsvermögen verlangen.

Eine Kunst für Junge? Sicher aber ist sie speziell - vor allem die Gestaltungsweise - und sie sprengt den Rahmen der üblichen Farbkompositionen. Fragmente aus scheinbar erlebten Szenen bildlich dargestellt und dazu niedergeschriebene Gedankenfetzen verwirren beim ersten Anblick: Die Bilder erwarten inniglichst betrachtet und eingehend begutachtet zu werden: Durch das dominierende Weiss in den Farbzusammenstellungen wirken die Werke starr, was durch die immer wieder verwendeten Farben wie Grau, Schwarz, Silber und Gold noch unterstrichen wird. Die Texte rufen die Bilder ins Leben, machen sie beweglich und geben ihnen eine eigene Sprache die jeder versteht. Oft vermögen sie gar durchsichtige, unerkennbare Umrisse zu visualisieren. Acryl und Dispersion sowie Blei- und Farbstifte sind für Sibylla die Hilfsinstrumente für ihr künstlerisches Schaffen.

"Schreiben war schon immer meine Leidenschaft"

Raphaela Schwyter, aufgewachsen in der Innerschweiz, ist. 31 Jahre alt und lebt schon seit längerem in Zürich. Schreiben sei schon immer ihre Leidenschaft gewe-sen, erzählte die junge Schriftstellerin und doppelte nach: "Alles was mit der Sprache zu tun hat interessiert mich:" Sie .stellt die Texte zu den Bildern der 29jährigen Sibylla Giger zusammen, die wie Raphaeia Schwyter die Dolmetscherschule besucht hatte, um sich eingehend mit der Sprache auseinanderzusetzen.

Zuerst Steckenpferd dann Beruf

Seit ihrer Kindheit gehört das Malen zu Sibyllas Steckenpferd. Auf Aufforderung von Bekannten, und Freunden stellte sie schliesslich einen Teil ihrer Bilder der Öffentlichkeit vor. Ihre Werke fanden beim Publikum grossen Anklang und heute steht Sibylla mitten in ihrer achten Ausstellung. Ruedi Minnig aus Bronschhofen, Leiter und Verwalter der bekannten Galerie s'Büdeli, darf Sibylla Giger bereits zum zweiten Mai in Eschlikon willkommenheissen. Die gebürtige Aadorferin wohnt schon seit mehreren Jahren in St.Gallen und beschäftigt sich heute hauptberuflich als Kunstmalerin.

"Unser Traum ist es, etwas Multimediales zu schaffen, um dadurch nicht immer nur an der Leinwand zu kleben", verriet Sibylla unserer Zeitung gegenüber. Die beiden scheinen auf ihrem künstlerischen Lebenspfad mit Humor in die Zukunft zu blicken, so bezeichneten sich die beiden doch eigens (mit einem Schmunzeln im Gesicht) als Lebenskünstlerinnen und Weltverbesserer.
Neues Wiler Tagblatt 16. März 1988 und Wiler Zeitung 17. März 1988
"Schau mich an - sprich zu mir"

ESCHLIKON (pd) Ein vielversprechendes Leitmotiv. Vielversprechende Techniken. Eine andere Art, die verschiedenen Formen des Ausdrucks zu kombinieren. Sibylla Giger, Malerin, und Raphaela Schwyter, Schriftstellerin, haben es sich zum Ziel gemacht, das Optische, Malerei und Zeichnungen, mit dem Inhaltlichen, Verbalen, Sprachlichen, zu verbinden. So verschmelzen Worte mit Eindrücken, ergänzen sich das Gesehene und das Gesprochene, oder grenzen sich deutlich voneinander ab. Ein wechselseitiges Spiel, das auf Leinwand und Papier immer wieder anders, aber immer wieder vollumfänglich zum Zuge kommt - lebhaft, harmonisch, prickelnd, ruhig. Phantasie sprengt den Rahmen des Herkömmlichen; das schöpferische Denken pendelt zwischen Intuition und Können, Spannung steigert die Aussagekraft. Der Fluss von Farben und Worten spricht an, regt an. nhaltlich ernst oder verspielt, lebensnah .oder gar verschmitzt, spiegeln die Bilder und Texte meist zwischenmenschliche Situationen: Aneinanderprallen, Lieben, Anstacheln.

Die beiden Künstlerinnen arbeiten seit fast einem Jahr zusammen. Ihre letzte Ausstellung fand im Dezember in St.Gallen statt. Sibylla Giger stammt aus Aadorf und befasst sich schon seit langem mit der Malerei, dem Ausbau von verschiedenen Techniken -und Möglichkeiten. Raphaela Schwyter kommt aus Zürich und hat sich der sprachlichen Aeusserung verschrieben.
  Thurgauer Zeitung 25. April 1986
Begegnung und Konfrontation
rre.

Figuren und Gesichter stehen im Mittelpunkt von Sibylla Gigers künstlerischem Schaffen. Die Galerie "s Büdeli", Eschlikon, zeigt ihre Werke bis Ende April, Jeweils Freitag, Samstag und Sonntag. Sibylla Giger, 1959 geboren, lebt heute in Steinach. Sie möchte ihre Werke nicht einer bestimmten Stilrichtung zugeordnet wissen, weil sie in "einer Welt der Ordnung und Kategorien gewisse Freiräume offenlassen möchte".

Ihr ausdrucksstarker, sehr persönlicher Stil lässt Begegnungen mit der Künstlerin zu; sie versteckt sich nicht. Vielmehr sucht sie den Dialog mit dem Betrachter, teilt sich ihm mit und konfrontiert sich mit ihm. Wiewohl die Bilder ein geschlossenes ruhendes Ganzes vermitteln, ist es doch keine faule Harmonie. Nebst Dialog und Begegnung, geschieht Konfrontation; Abwehr - der Wunsch, sich zu widersetzen.

"Die unängstliche Sehnsucht"

Schon die Benennung der Werke führt ein in die Anliegen der Künstlerin. "Kommunikation", "Siamesischer Tanz" ist, trotz strenger Linienführung, eine einzige Bewegung der Gemeinsamkeit. "Die nicht ganz unängstlichen Sehnsüchte" lockern die oft strengen Bilder auf. Schmetterlinge bringen Verspieltheit ins Bild, Schmetterlinge, welche allerdings einen Totenschädel umflattern.

Totenschädel

Der Totenschädel erscheint sowieso an manchen Orten, die Köpfe selber sind streng dem menschlichen Schädel nachgezeichnet - wohl in Beschränkung aufs Wesentliche: dem Ausruckverleihen einer Empfindung, eines Traumes, einer Phantasie, was gleichsam eine starke Verbindung zur Realität schafft: Köpfe, Figuren, Schädel, Schmetterlinge - auf diese wenigen Ausdruckmittel beschränkt sich die Künstlerin, mit ihnen sagt sie viel - und sie sagt es in einer zwar deutlichen, doch annehmenden Sprache. Ihre Werke treffen, kommen an, gefallen und bleiben haften für weitere Begegnungen und Konfrontationen.
St.Galler Tagblatt 25. April 1986
VON RUTH RECHSTEINER

Sibylla Giger, 1959 geboren, lebt heute in Steinach. Sie, möchte ihre Werke nicht einer bestimmten Stilrichtung zugeordnet wissen, weil sie in "einer Welt der Ordnung und Kategorien gewisse Freiräume offenlassen möchte".

Selbstsuche und Dialog

Ihr ausdrucksstarker, sehr persönlicher Stil lässt Begegnung mit der Künstlerin zu; sie versteckt sich nicht. Vielmehr sucht sie den Dialog mit dem. Betrachter, teilt sich ihm mit und konfrontiert sich mit ihm: Wiewohl die Bilder ein geschlossenes, ruhendes Ganzes vermittteln, ist es doch keine faule Harmonie. Nebst Dialog und Begegnung geschieht Konfrontation, Abwehr - der Wunsch, sich zu widersetzen.

"Die unängstliche Sehnsucht"

Schon die Benennung der Werke führt ein in die Anliegen der Künstlerin. "Kommunikation", "Siamesischer Tanz" oder "Multipliziert" sind Ausdruck des Wunsches nach Zwiegespräch, Gemeinschaft, Begegnung. Der "Siamesische Tanz" ist, trotz strenger Linienführung, eine einzige Bewegung der Gemeinsamkeit. "Die nicht ganz unängstlichen Sehnsüchte" lockern die oft strengen Bilder auf, Schmetterlinge bringen Verspieltheit ins Bild. Schmetterlinge, die allerdings einen Totenschädel umflattern. Der Totenschädel erscheint ohnehin an manchen Orten. Die Köpfe selber sind streng dem menschlichen Schädel nachgezeichnet - wohl in Beschränkung aufs Wesentliche: dem Ausdruckverleihen einer Empfindung, eines Traumes, einer Phantasie, was gleichsam eine starke Verbindung zur Realität schafft. Köpfe Figuren, Schädel, Schmetterlinge - auf diese wenigen Ausdrucksmittel beschränkt sich die Künstlerin, mit ihnen sagt sie viel - und sie sagt es in einer zwar deutlichen, doch annehmenden Sprache. Ihre Werke treffen, kommen an, gefallen und bleiben haften für weitere Begegnungen und Konfrontationen.
Regional Zeitung Hinterthurgau 16. April 1986

Sibylla Giger, 1959 in Aadorf geboren und aufgewachsen, lebt heute in Steinach. Die bildende Kunst hat für sie eine starke Anziehungskraft als Mittel, ihre Gedanken und Gefühle in eine Form- und Farbgebung zu kleiden. Sie vertritt. einen eigenen, ausdrucksstarken Stil, der den Dialog mit dem Betrachter sucht und gleichzeitig Ausdruck der Selbstsuche ist.

Ihre Bilder sind Fragmente aus Erinnerung und jetzt Geschehenem. Sie widerspiegeln Mystik und Fiktion, welche den Betrachter in ihren Bann ziehen oder abstossen. Sie stellen Phantasieträger innerer Bilder dar, verarbeitete oder unverarbeitete Träume und haben trotz ihres surreaIen Charakters eine starke Verbindung zur Realität. Die Bilder sind nicht nur gemalt, sondern empfunden und durchlebt worden. Sie lassen dem Betrachter einen beachtlichen Freiraum offen, seine Innerlichkeit darin wiederzufinden. Grosszügig geschwungene Formen zeichnen Figuren und Gesichter, die im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten Sibylla Gigers stehen...
Wiler Zeitung 16. April 1986
Mischtechnik und Zeichnungen
ahi.

Am kommenden Samstag, 19. April, 19 Uhr, wird in der Eschlilker Dorfgalerie "s' Büdeli", eine Ausstellung von Werken der gebürtigen Aadorferin Sibylla Giger eröffnet. Die heute in Steinach lebende, 27jährige Künstlerin vertritt einen ganz persönlichen ausdrucksstarken Stil, der offensichtlich den Dialog mit dem Betrachter sucht und gleichzeitig Ausdruck und Selbstsuche ist. Ihre Bilder sind Fragmente aus Erinnerungen und aktuellen Geschehnissen - sie widerspiegeln Mystik und Fiktion, Charakteren, welche den Betrachter faszinieren oder abstossen. Die Ausstellung dauert bis zum 27. April.

Die bildende Kunst übt auf die Künstlerin eine starke Anziehungskraft aus, dient als Mittel dazu, ihre Gedanken und Gefühle in Formen und Farbgebungen zu kleiden. Ihre Werke stellen Phantasieerträge, innere Bilder dar, verarbeitete oder unverarbeitete Träume, und haben trotz ihres surrealen Charakters eine starke Verbindung zur Realität: Die Bilder sind nicht nur gemalt, sondern empfunden und durchlebt worden.

Grosszügig geschwungene Formen und eckige Elemente zeichnen Figuren und Gesichter, die im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten Sibylla Gigers stehen. Traurig oder bös blickende Augen sind Ausdruck der unterschiedlichen Charakterzüge im Menschen.

Die Zielsetzung der Künstlerin ist es, mit ihren Arbeiten den Dialog zwischen den Menschen anzuregen und eine direkte Konfrontation zu suchen. Sie möchte bewusst nicht einer Stilrichtung zugeordent werden, denn in einer Welt der Ordnung und der Kategorien ist es wichtig; gewisse Freiräume offenzulassen.
St.Galler Tagblatt 18. April 1985
Die Werke in sich einlassen
VON KATHRIN VON ALLMEN

In Engelburg, an der Schönbühlstrasse, stellen seit letzten Samstag Sibylla Giger (Malerei) und Urs Dürst (Skulpturen) in Privaträumen aus. Gezeigt werden die neueren Werke der Malerin während Urs Dürst mit seinen lebendigen Eisenskulpturen zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit tritt.

"Ich bin das Bild das du nicht anschaust", eindringlich, immer wiederkehrend tönt ab Tonband die Stimme von Sibylla; allgegenwärtig. Die Metapher dringt in den Kopf, besetzt die Gedanken und zwingt den Betrachter, sich die Ausstellung genau anzuschauen, dis Werke in sich einzulassen. Auf zwei Stockwerken präsentiert die Malerin Sibylla Giger ihre neueren Werke. Sie sind- im Gegensatz zu früheren Bildern - weniger farbig, wirken weiblich stark und gleichzeitig fliessend. Ihre Thematik ist meist symbolisch, elementar oder mystisch, politisch und persönlich. Die neuen Farbbilder, ein Fünfer-Zyklus, enthalten leuchtende und dominante Farben und Töne (Türkis, Rot, Gold, Schwarz, Weiss und Silber) erinnern in ihrer Komposition und Sattheit entfernt an Stohwasser. Andere, meist im Schwarz-Weissen gehaltenen Bilder fallen durch den graphisch anmutenden Strich und die vielen Frauenmotive auf.
Die Ostschweiz 8. Oktober 1984
Galerie Bankverein

Sibylla Giger Sibylla Giger, 1959 in Aadorf TG geboren und aufgewachsen, lebt heute in Engelburg. Sie besitzt einen eigenen, ausdrucksstarken Stil, der den Dialog mit dem Betrachter sucht und gleichzeitig Ausdruck der Selbstsuche ist. Grosszügig geschwungene Formen und satte, klare Farben zeichnen Figuren und Gesichter, die im Mittelpunkt, der künstlerischen Arbeiten Sibylla Gigers stehen. Ihre Gestalten bestehen aus runden und eckigen Elementen. Traurig oder bös dreinblickende Augen sind Ausdruck der unterschiedlichen Charakterzüge im Menschen Die Zielsetzung der Künstlerin ist es, mit ihren Arbeiten den Dialog zwischen den Menschen anzuregen und eine direkte Konfrontation zu suchen.

In ihren kolorierten Tuschzeichnungen erzählt Sibylla Giger Geschichten, die in einer Wirklichkeit beginnen und fast unmerklich in Traum, Mystik und Unendlichkeit hineinfliessen und uns somit zu den innersten Gedanken und Wünschen der Künstlerin hinführen. Ihre Malerei ist grossflächig und verliert sich nur selten in minuziösen Details, denn das Bild soll dem Betrachter eine klare Aussage vor Augen führen.
  St.Galler Tagblatt 19. September 1984
Suchen nach neuen Ausdrucksformen
VON MÈLANIE RIETMANN

Vom 18. September bis zum 20. Oktober sind die Werke der Künstlerin Sibylla Giger in der Bankverein-Galerie an der Gartenstrasse ausgestellt. In einem Gespräch mit dem "Tagblatt" erzählt die frühere Uebersetzerin, warum sie einen anderen als den vorgezeichneten Weg eingeschlagen habe und was ihr die Malerei bedeute.

Als Kind schon hat Sibylla Giger aus Engelburg viel gemalt: Was immer auch entstand, Sonnen und Monde dominierten. An ihrer Vorliebe für das Kosmische hat sich bis heute nichts geändert.' Der Mensch sei diesen Einflüssen ausgesetzt, -habe die damit verbundenen Spannungen zu ertragen: Sie steuerten sein Handeln.. Doch bis sich Sibylla Giger über diese Zusammenhänge so sachlich, beinahe leidenschaftslos mit Aussenstehenden unterhalten konnte, musste sie einen weiten Weg zurücklegen, einen Weg, der gekennzeichnet war durch ein ständiges Suchen nach neuen Ausdrucksformen, ein Weg auch, der sie in tiefe Depressionen führte.

Wildfang

Dabei sah es zunächst gar nicht so aus, als ab Sibylla je "Mühe" haben werde mit ihrer Umwelt. "Ich tollte als Kind stundenlang herum, spielte Räuber und Poli, am liebsten mit den Buben", erzählt sie. Sie gefiel sich darin, andere zu unterhalten, Witze zu erfinden - man beachte: erfinden, nicht "bloss" nacherzählen - oder einfach "komisch", zu sein. Irgendwann muss sich dieser Charakterzug verloren haben, und irgendwann wurde sie stiller. Noch während ihrer Ausbildung zur Übersetzerin reifte eine Idee, die sie bis heute verfolgt: "Ich möchte eine neue Sprache finden." Die verbale Kommunikation hat sie zur nicht-verbalen getrieben: Sie begann zu malen. Diese ersten Bilder erschrecken: Viele Leute sind darauf zu sehen, aber ihre Gesichter haben fratzenhafte Züge. Diese Menschen sind erfüllt von Angst, Angst über sich selber und über das, was sie umgibt. Doch diese Phase hat Sibylla Giger überwunden. Heute steht der einzelne Mensch im Mittelpunkt ihres Schaffens.

Wehmut

Ihre Frauenportraits fesseln besonders. "Wir Frauen sollten kräftiger werden, ehrlicher auch, wir müssen zu unseren Werten stehen", sagt Sibylla Giger. Dass dieser Prozess nicht ohne Trauer geht, beweisen die grossen schwarzen Tränen auf einem Bild. Obwohl sie vor bunten Akzenten nicht zurückschreckt, vibrieren viele ihrer Gemälde doch von einer verhaltenen Wehmut. Hat sie sich mit ihrem Suchen nach neuen Formen, bewusst abgesetzt, so zeugen ihre neueren Bilder vom Wunsch, diese Isolation zu überwinden. Denn mit einemmal tauchen männliche und weibliche Elemente auf; und mit einemmal sieht man zwei Menschen: "Ich fühle mich jetzt in einer neuen Phase", bestätigt sie., Noch ist, die schwarze Farbe nicht verschwunden, aber die Künstlerin scheint jene Sprache gefunden zu haben, die sie zu Beginn ihrer neuen Lebensbahn finden wollte, zumindest sieht sich der Betrachter vor ein eigenwilliges Alphabet gestellt.
Grossanzeiger St.Gallen 18. September 1984
Spiegel menschlichen Ausdrucks
cj

Grosszügig geschwungene Formen und satte, klare Farben kennzeichnen die Figuren und Gesichter, die im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten Sibylla Gigers stehen. Zur Malerei kann die in Engelburg lebende künstlerin, wie sie uns erklärte, aus der Erfahrung über die unbefriedigenden Ausdruckmöglichkeiten der Sprache. Auffallend an ihrem Werk ist die Körperlichkeit des Dargestellten: Die Bilder erfährt der Betrachter als Spiegel menschlichen Ausdrucks.

" Mir sind die Grenzen der Sprache als Ausdrucksmittel viel zu eng gesetzt" meint Sibylla Giger in einem Gespräch. "Beim Malen habe ich mehr und vor allem auch andere Möglichkeiten, beispielsweise das Licht. Insofern ist die Malerei für mich auch eine Art "Sprache": Farbe, Form, Licht und Sujet sind meine "Wörter", mit denen ich komponieren kann." Auffallend an ihrem Werk ist, dass der Mensch im Mittelpunkt steht: Ihre Bilder zeigen mehrheitlich Gesichter und Körper von Menschen . Traurige oder böse dreinblickende Augen ziehen den Betrachter in ihren Bann, halten ihm gewissermassen einen Spiegel vor Augen.

Woher nimmt die Künstlerin nun die Ideen für ihre Bilder? - "Ich nehme menschliche Erfahrungen, Bedürfnisse, Gefühlsausdrücke etc. wahr, versuche das alles zu verarbeiten, zusammenzufassen, Paralellen zu sucheb und reflektiere schliesslich alles wieder in meinem Bildern. Wenn du eines meiner gemalten Gesichter betrachtest, so fällt dir auf, dass es etwas Universelles an sich hat. Es ist fast perfekt, und das rührt von der Tatsache, dass es eine Zusammenfassung von vielen gesehenen Gesichtern darstellt. Dadurch erleichtere ich dem Betrachter den Zugang zu meinen Bildern, den Prozess, sich in einem meiner Gesichter zu finden."...
  Grossanzeiger Appenzeller Woche 1. Mai 1984
Träume - realer als die Wirklichkeit
cj

Wieder einmal verhilft Rudolf Zürcher in der Schloss-Galerie einer jungen, noch nicht so bekannten Künstlerin, ihre Bilder einer grösseren Oeffentlichkeit vorzustellen: Sibylla Giger aus Aadorf zeigt ihre eigenwillige Malerei, die stark vom Unterbewusstsein geleitet wird.

Sibylla Giger fühlte sich schon während ihrer Schulzeit zur Malerei hingezogen Seit 1981 setzt sie nun ihre zeichnerischen Ideen um: Das Resultat sind flächig gestaltete Bilder mit den farblichen Grundstimmungen schwarz und weiss. Dazu kommen dumpfe bis leuchtende Mischtöne Als druchgehendes Thema spürt der Betrachter in ihren Bildern das Traumhafte. In Ihren kolorierten Tuschzeichnungen mit geometrischen und geschwungenen Formen spricht sie durch die Darstellung surrealistisch aufgelöster Gesichter das innere Auge des Bildbetrachters an.

Man versinkt richtiggehend in ihren Bildern und in den dadurch ausgelösten eigenen Erinnerungen und Gedanken Durch das Traumhafte, das die Wünsche und Ängste der Künstlerin wiederspiegelt, entsteht eine "neue" Wirklichkeit: das Subjektive, das vielfach realistischer ist als die "normale" Wirklichkeit.
Thurgauer Volkszeitung 27. April 1984
Aadorfer Künstlerin stellt erfolgreich aus Herisau

(e) Die 1959 geborene Aadorferin Sibylla Giger, stellt zurzeit bis zum 5. Mai ihre Bilder in der Schlossgalerie Herisau aus.

Klar erkennbare Gesichter, vom Gegenständlichen bis ins Abstrakte abweichend, zeichnen sich durch ihre grosse Ausdruckskraft aus. Sie wollen aus dem Innersten heraus das Du suchen, verraten aber donnoch klar das träumerische "Ego" der Künstlerin. Sie scheint ihren Stil gefunden zu haben, die Regelmässigkeit ihrer Arbeiten ist denn auch beachtenswert. Unser Bild: "Königliche Hoheiten aus dem Reich der Fantasie" oder "fragende Augen aus einer verwirrenden Welt"?
Appenzeller Tagblatt 17. April 1984
Eigenwillige Bilder suchen den Dialog
VON MAX REINHARD

Mit der Präsentation der Bilder von Sibylla Giger ist es den Verantwortlichen gelungen, eine Ausstellung von Format und hohem künstlerischem Niveau zu präsentieren. Obwohl Sibylla Giger, geboren am 23.8.1959 und aufgewachsen in Aadorf TG, noch zur jungen Künstlergeneration gehört, hat sie doch bereits einen klaren und beeindruckenden Stil gefunden. Man ist fasziniert von ihren Bildern, überrascht von der gewollt grosszügigen und grossflächigen Farbgebung und man fühlt sich zur Stellungnahme verpflichtet. Damit wird man der Zielsetzung der Künstlerin gerecht, denn sie will, dass man mit ihren Arbeiten den Dialog und die Konfrontation sucht.

Spiel mit Form und Farben

Schon während ihrer Schulzeit fühlte sie sich zur bildenden Kunst hingezogen und drückte dies in zahlreichen Skizzen und Zeichnungen aus. Seit 1981 setzt Sibylla Giger diese zeichnerischen Ideen nun in eigenwillige Malereien um. Ihre Bilder sind ein gekonntes Spiel mit Formen und Farben. Vorwiegend flächig durchgestaltet sind ihre Grundstimmungen meist in schwarz und weiss ausgedrückt. Dazu gibt sie dann als Komponenten dumpfe bis leuchtende Mischtöne, um die Flächen dazwischen wohltuend aufzulockern. Geometrische und geschwungene Formen dominieren das Bild und zeichnen ihre Figuren und Gesichter. Porträts und Köpfe stehen im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Sibylla Giger und sind wohl auf eine gewisse Selbstanalyse und Selbstsuche der Künstlerin zurückzuführen.

Zeitspiegel

Sibylla Giger lässt sich in ihrer Arbeit stark von ihrem Unterbewusstsein leiten, und ihre Bilder wollen gewissermassen auch einen Zeitspiegel darstellen. Dies bringt sie vor allem in ihren kolorierten Tuschzeichnungen zum Ausdruck. Diese Kunstwerke, die den Betrachter in ihren Bann ziehen, tragen die ganz persönliche Handschrift der Künstlerin und sind deshalb ziemlich schwer in eine bestimmte Richtung Einzustufen. Gewisse Arbeiten sind noch klar gegenständlich zu ergründen, andere wiederum surrealistisch "angehaucht" oder wechseln ins Abstrakte. Realität und Wirklichkeit, Enge und Freiheit stehen im Raum zwischen Traum, Mystik und Unendlichkeit und geben Einblick in das Innenleben der Künstlerin. Jedes Thema ist aber auch eine Herausforderung an ihr Schaffen. Ein Schaffen, das oft auf den ersten Blick schwer zu ergründen, aber um so reizvoller und interessanter bei eingehender Konfrontation eingestuft werden darf.
Appenzeller Zeitung 13. April 1984
Sibylla Giger in der Schloss-Galerie Herisau

Bilder - Verbündete der Wahrheit

Mit Sibylla Giger aus Engelburg stellt in der Schloss-Galerie Herisau eine Künstlerin ihre Bilder aus, die ihren eigenen Stil bereits gefunden hat. Die Werke der jungen Malerin ziehen den Betrachter in ihren Bann. Sie suchen den Dialog und die Kommunikation mit ihm: Grosszügige Linien helle und freundliche Farben und Gesichter in verschiedenen Variationen wirken unmittelbar auf ihn.

Schon während ihrer Schulzeit fühlte sich die in Aadorf aufgewachsene Sibylla Giger zur bildenden Kunst hingezogen; was sie in Skizzen und Zeichnungen auszudrücken versuchte. Seit 1981 setzt sie diese zeichnerischen Ideen in eigenwillige Malereien um. Farbliche Grundstimmungen sind schwarz und weiss, für die Flächen dazwischen verwendet sie dumpfe bis leuchtende Mischtöne. Auch geometrische und geschwungene Formen zeichnen ihre Figuren und Gesichter.

Sibylla Giger lässt sich in ihrer Arbeit stark von ihrem Unterbewusstsein leiten. Der Traum findet sich oft in ihren kolorierten Tuschzeichnungen, aber auch in surrealistisch aufgelösten Gesichtern.

Klar erkennbare Gesichter wie im Bild "Matriarchalische königliche Hoheit" oder Gesichter die als solche noch gegenständlich sind oder ins Aufgelöst-Abstrakte wechseln, sind Ausdruck dafür, dass die Künstlerin auf der Selbstsuche ist. Das Motiv des sich selbst suchenden Ichs findet sich ebenso in den Träumen wie in den aufgelöst wirkenden Gesichtern. Wo ein Ich ist, ist ein Du. Das Ich findet oder verwirklicht eine Beziehung zu einem Du: Dialog und Kommunikation ermöglichen und schaffen eine solche Beziehung. Sie machen. Einsamkeit erträglich.

Start wirkende Gesichter leben auf durch die Blicke, die wir auf sie werfen. Wenn sich Augen in Blumenblüten befinden, so deutet dies auf eine Hoffnung, die Sibylla Giger im Bild "Augenblicke" darzustellen versucht: Da die Blüten noch geschlossen sind, ist Hoffnung möglich.

Dem einsamen Ich steht die Zweisamkeit einer Beziehung gegenüber. Die Augen und die Blicke sind offen, um das Du zu suchen. Die elegant geschwungenen Linien drücken diesen Wunsch, diesen Traum und diese Projektionen aus. Sie gehen sowohl von einem Ich als auch von einer Beziehung aus. Die Linien strahlen ins Leere oder in den unendlichen Kosmos. Sie finden aber auch ihr Ziel.

Sibylla Giger will in ihren Bildern die Vergangenheit, die Unendlichkeit, die Harmonie und Disharmonie, Geist und Körper, die Erde und die Luft, die Mystik und das Erdenleben, die Freiheit und Enge darstellen. Diese Themen fordern ihr Schaffen heraus. Sie versteht deshalb ihre Bilder ab Spiegel, in der sich der Betrachter selbst wiedererkennen kann, als Verbündete und als Ausdruck menschlicher Bedürfnisse. Ihre Werke sprechen das innere Auge an und wirken deshalb zeitlos.
Regional Zeitung Hinterthurgau 2. Mai 1984
Aadorfer Künstlerin stellt aus

Anfangs April fand in Anwesenheit angeseher Persönlichkeiten die Vernissage zu einer Ausstellung in Herisau statt. Die 1959 geborene und in Engelburg wohnende Sibylla Giger fühlte sich schon lange zur bildenden Kunst hinngezogen. Seit einigen Jahren nun scheint sie ihren Stil gefunden zu haben. Die oft recht eigenwilligen Ideen zu ihren Bildern schöpft sie offensichtlich aus ihrem Unterbewusstsein. Sie malt zumeist in geometrischen und geschwungenen Formen in schwarz und weiss auf farbiger Grundstimmung. Der grosse Erfolg der Ausstellung beweist, dass sie sich auf dem rechten Wege befindet und ihre Bilder recht rasch Liebhaber finden.